Montag, 16. März 2015

PENTAX K-S2 im Praxistest

Jetzt wird geliefert. In den letzten beiden Wochen habe ich die neue K-S2 von PENTAX intensiv ausprobieren können, insbesondere auf einem Kurzbesuch in Belgien. Die ersten Eindrücke habe ich bereits im Pentaxians Forum veröffentlicht, dies hier ist nun die überarbeitete, erweiterte Fassung.

Keine Angst am Strand: K-S2 mit Staub- und Spritzwasserschutz

Die K-S2 folgt in der Namensgebung der K-S1 aus dem letzten Jahr. Dennoch lässt ihr eher konventionell gestaltetes und  (im Gegensatz zur K-S1) wetterfestes Gehäuse an einen Nachfolger zur K-30 und K-50 denken. Ein sehr interessantes Interview bei Imaging-Resource mit Kasunobu Saiki, dem General Manager für Marketing bei Ricoh, bringt ein wenig Klärung: die K-S Linie soll eher neue Käufer ansprechen, die bisher noch nicht im PENTAX System beheimatet sind. Die K-ohne-S Modelle (also aktuell K-50, K-3) bedienen die angestammte Kundschaft. K-S Kameras dürfen und sollen daher eine paar Dinge anders machen und neue Innovationen ausprobieren. So ganz überzeugend finde ich diese Erläuterung nicht, aber was solls. Die Nomenklatur von PENTAX Kameras war schon in der Vergangenheit eine Wissenschaft für sich.

Den prominenten Aufdruck deute ich als Ricohs
 Bekenntnis zur Marke PENTAX
Bei der K-S2 sind die Neuerungen offensichtlich der bewegliche Monitor und Wi-Fi Direct mit NFC, beides Ausstattungsmerkmale, die es zuvor noch in keiner PENTAX Systemkamera gab und sehnlichst von uns Pentaxians erwartet wurden. Neu sind auch die erweiterte HDR Funktion und die sogenannte erhöhte Schärfeleistung (Clarity Enhancement), welche wohl deswegen bemerkenswert ist, da sie laut dem obigen Interview von Ingenieuren der Ricoh Gruppe in die Fotosparte eingebracht wurde.

Die KS-2 bietet eine Menge Ausstattung in ihrer Preisklasse. Neben dem Klapp-Display und Wi-Fi gibt es (wieder) ein gegen Staub und Spritzwasser abgedichtetes Gehäuse, zwei Einstellrädern, das AF-Modul von der K-5II, den 20 Megapixel Sony-Sensor (ohne Tiefpassfilter) aus der K-S1, der natürlich wie immer bei PENTAX beweglich gelagert ist und die Bildstabilisierung im Gehäuse ermöglicht. OK, die Produktspezifikation muss ich jetzt nicht wiederholen, die kann jeder auf der Ricoh Homepage nachlesen.

PENTAX K5IIs, K-S2 und K-01  - Größenunterschiede sind relativ

Der Mensch vergleicht ja gerne, da kann ich mich nicht ausnehmen. Daher habe ich bei der weiteren Betrachtung der K-S2 immer wieder zu meinen anderen PENTAX Modellen im Haushalt geschielt, nämlich der K-5IIs und der K-01. Die direkteren Vorgänger K-S1 und das K-30/K-50 Paar (die sich meines Wissens nach nur im Gehäuse und einer erweiterten ISO Einstellung unterscheiden) kenne ich leider nicht aus eigener Praxis.

BEDIENUNG


Die K-01 ist noch ein Stück kompakter, aber eben
weder wetterfest noch mit optischen Sucher
Das Gehäuse aus Kunststoff ist gut und solide verarbeitet, ohne Knarzen und Knarren. Die Kamera wird von Ricoh als kleinste, wetterfeste SLR der Welt beworben. In der Tat ist sie leicht und kompakt. Sie ist aber nicht die kleinste mit K-Bajonett (behauptet auch keiner). Das dürfte weiterhin die unverstandene K-01 sein, die in den Ausmaßen noch ein wenig kleiner (aber schwerer) ist, dafür aber auch keinen Spiegelkasten und optischen Sucher hat.

Sicher ist der Titel der kleinsten wetterfesten SLR (also mit Spiegel) sehr werbewirksam und Labsal für die PENTAX Seele, aber inhaltlich auch nicht von zu großer Bedeutung. Oder anders gesehen: noch kleiner wäre gar nicht von Vorteil. Die Kamera ist gerade so groß, dass ich sie auch mit mittel-schweren Objektiven wie dem DA 18-135mm gut halten kann, wenn es sein muss auch mit einem DA* 200mm Objektiv.

Kompakt mit ausgeprägtem Griff
Die Kamera ermöglicht mir einen sicheren Griff, wobei mein kleiner Finger noch seinen Platz finden muss. Eine K-5IIs liegt mir da ein Stück besser in der Hand, da der Griff noch mehr ausgeformt ist, während die Höhe in etwa gleich ist. Dazu gab und gibt es (nur) bei den Oberklassen-Modellen immer die Option eines Batteriegriffs, der zusätzlichen Halt schafft. Die kleineren Modelle wie die K-S2 müssen darauf produkt-politisch verzichten.

Besonders großzügig ist das SD-Kartenfach bzw. dessen Klappe ausgefallen. Kein Gefummel mit einwandfreiem Zugriff auf die Karte. Das gilt grundsätzlich auch für das Batteriefach, aber bei meinem Modell hakt leider der Auswurf des Akku ein wenig.

Die Bedienelemente auf der Rückseite sind wie bei der K-50 angeordnet. Umgewöhnen muss ich mich bei der Live-View und Play Taste. Wo bei der K-5IIs die Taste zur Ansicht der Fotos liegt, wird bei der K-S2 der Live-View aktiviert. Gut gefällt der Ein-Aus-Video Schalter mit zweifarbiger Beleuchtung (grün für Foto, rot für Video), der wie immer bei PENTAX als Drehring um den Auslöser gestaltet ist. Ergonomischer geht es meiner Meinung nach nicht. Wen die Leucht-Ampel stört, der kann sie per Konfiguration dimmen oder ganz abschalten.

Wohl um der neuen, integrierten Wi-Fi Funktion die gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen, gibt es eine eigene Wi-Fi Taste auf der Oberseite. Diese hat eine Doppelfunktion, kann aber leider nicht mit einer anderen Funktion im Menü Tastenanpassung belegt werden. Neben der Aktivierung von Wi-Fi dient die Taste als Selbstporträt-Auslöser (Selfie), sobald das seitlich angeschlagene Display ausgeklappt und nach vorne gedreht sowie Live-View eingeschaltet wird. Im Gegensatz zum normalen Auslöser kennt diese Taste aber nur An oder Aus. Eine "halbe" Position zum Fokussieren wie beim normalen Auslöser ist nicht möglich. Davon abgesehen finde ich Selfies mit einer ausgewachsenen DSLR an der ausgestreckten Hand sehr gewöhnungsbedürftig anzusehen, aber wer es braucht ... pfiffig ist die Umsetzung auf jeden Fall und schafft Aufmerksamkeit!

Flaches Steuerkreuz
Einen Verzicht gibt es beim Schalter vorne für die AF Kopplung zu vermelden: es sind nur noch die Stellungen AF und MF möglich, keine Unterscheidung zwischen AF-S und AF-C. Der AF-Modus für statischen Autofokus oder kontinuierliche Nachführung wird stattdessen im MENU oder über INFO eingestellt. Ein schnelles, blindes Umschalten über den Schalter ist somit nicht möglich. Allerdings lässt sich der gewählte AF Modus zusammen mit anderen Einstellungen als User-Programm speichern. Somit kann über das Programmwahlrad ein individuell zusammengestelltes User-Programm (derer sind zwei möglich) für Action-Aufnahmen sich bewegender Motive schnell abgerufen werden.

Nicht so gelungen finde ich die Umsetzung des Steuerkreuz auf der Rückseite. Während die OK Taste sehr gut ertastbar ist, sind die anderen Schalter nach außen bündig mit dem Gehäuse ausgeführt und fallen leicht nach innen zum OK Schalter ab. Besonders für die Bedienung mit dem Auge am Sucher finde ich das suboptimal, bei meinen anderen Pentax Gehäusen ist das besser gelöst. Das Umschalten des Steuerkreuzes zwischen Auswahl eines AF Feldes oder der beschrifteten Funktionen erfolgt wie üblich (mit Ausnahme der K-3) durch längeres Drücken auf OK. Alternativ gibt es die sehr nützliche Option, die Raw/FX Taste dafür zu nutzen über die Konfigurationseinstellung Aktives AF-Feld.

Das MENU System ist wie gewohnt sehr übersichtlich strukturiert. Alle Funktionen und Einstellungen finden sich dort, wo ich sie erwarte - auch die neuen. Der Schriftsatz ist ein wenig feiner und auch kleiner als bei meinen anderen Pentaxen. Da ich seit letztem Sommer Brillenträger bin und nicht mehr ganz so scharf sehe, ist das für mich leider kein Fortschritt, auch wenn das visuelle Erscheinungsbild moderner wirkt.

Dies setzt sich dann auch im INFO Menu für die Direktzugriffe auf einzelne Funktionen bzw. Einstellungen fort. Die K-01 und K-5IIs bieten hier ein vier-mal-vier Raster für Schnellzugriffe an, die K-S2 erhöht auf fünf-mal-vier. Der Vorteil liegt auf der Hand, da noch mehr Funktionen im direkten Zugriff sind. Aber die Übersicht bzw. Lesbarkeit leidet ein wenig. Eine Position ist dabei im Foto-Modus unten rechts frei geblieben, da könnte über ein Firmware Update gerne die Fokussierhilfe (Focus Peaking) steuerbar gemacht werden. Interessanterweise ist im Video-Modus dies vorgesehen, aber eben nicht im Foto-Modus, warum auch immer.


Zwei Innovationen auf einmal: Vari-Winkel-Monitor und Selfie-Modus
Der Blick durch den optischen Sucher bietet ein PENTAX gewohntes helles, klares Sucherbild mit 100-Prozent Abdeckung.

Als Alternative zur Bildgestaltung für ungewöhnliche Perspektiven bietet sich das Klapp-Display an. Ricoh nennt es Vari-Winkel Monitor. Und es ist eine echte Bereicherung. Der Monitor schlägt seitlich an und lässt sich um 270 Grad um die Längsachse drehen. Er kann somit für Bodenaufnahmen, Über-Kopf-Aufnahmen und "Selfies" genutzt werden. Die restlichen fehlenden 90 Grad zwischen Selfie- und Über-Kopf-Position fehlen und sind auch nicht relevant. Die Ausführung erscheint mir sehr robust und schafft Vertrauen, dass die Mechanik lange Freude bereiten wird. Zwar gibt es immer mal wieder Bedenkenträger zur Haltbarkeit eines beweglichen Monitors, aber ich persönlich mache mir da keine großen Sorgen.

Was mich am Anfang irritiert hat: drückt man den Auslöser halb, so ist für ca. zwei Sekunden ein ganz leichtes Surren zu hören. Vermutlich kommt das Geräusch durch die Aktivierung der Shake Reduction (SR) vom beweglichen Sensor. Das gleiche Surren ist durchgängig im Live-View zu hören. Vorstellen könnte ich mir, dass der SR durch präventive Aktivierung vielleicht noch ein wenig besser arbeiten könnte, aber das ist reine Spekulation. Allerdings ändert sich da auch nichts, wenn SR explizit im Menu ausgeschaltet wird, egal ob der Live-View eingeschaltet ist, oder nicht. Um jetzt diese Beobachtung nicht zu überhöhen: das Surren stört (mich) nicht wirklich. Nach dem ersten Wochenende habe ich mich so daran gewöhnt, dass ich es kaum noch wahrnehme.

Am Stadtstrand von Oostende: 1/20s aus der Hand dank Bildstabilisierung


AUSSTATTUNG


Eigentlich sollte dieser Abschnitt eher heißen: Ausstattungsdetails, die mir wichtig sind, und die ich in den ersten Tagen ausprobiert habe. Dabei bleiben nämlich einige Themen wie insbesondere Video unberücksichtigt.

Aber zunächst das wichtigste Detail, um den Namen dieses Blogs hochzuhalten: Ja, die K-S2 kann Raws im PEF Format aufnehmen. Da allerdings Lightroom 5, der Raw-Converter meiner Wahl, die neue Kamera noch nicht kennt, habe ich alle Fotos im DNG Format aufgenommen, die sich problemlos in Lightroom importieren und bearbeiten lassen.

Die K-S2 bietet das gleiche Autofokus Modul mit Namen Safox X wie die K-5IIs. Das sind für eine DSLR dieser Preisklasse gute Nachrichten, besonders bezüglich der Verlässlichkeit bei schwachen Lichtverhältnissen. Und tatsächlich merke ich im Test subjektiv keinen Unterschied zu meiner K5-IIs bei Schummerlicht.

Im Vergleich zur K-5IIs gibt es die erweiterte Möglichkeit, den kontinuierlichen Autofokus feiner zu konfigurieren. Hervorzuheben ist die AF Status halten Option aus der K-3, über die eingestellt werden kann, wie lange der zuletzt eingestellte Fokus festgehalten werden soll, bevor der AF reaktiviert wird. Neben AF-S und AF-C gibt es eine Automatik-Einstellung AF-A, bei der die Kamera selbst entscheidet, ob sie selbständig beim anvisierten Ziel den kontinuierlichen Autofokus aktiviert. Ein erster Test auf dem Fußballplatz war vielversprechend, das Spiel der F-Jugend meines Sohnes konnte der Autofokus ganz gut verfolgen.

Der kontinuierlicher Autofokus mit dem DA 18-135mm DC hat mich positiv überrascht

Als weiteren Auswahlmodus zur manuellen Wahl des aktiven AF Feldes gibt es noch das erweiterte AF Feld (SEL-EX). Dabei werden zusätzlich zum selektierten AF-Feld die benachbarten Felder für die kontinuierliche AF-Nachführung überwacht, die dann bei Bedarf die Fokussierung übernehmen. Sehr gut: die K-S2 bietet wieder eine objektivabhängige AF-Feineinstellung, um Ungenauigkeiten der Justierung beim Phasen-Autofokus entgegenzuwirken. Nominell bietet die K-S2 insgesamt das zweitbeste Autofokus-System im PENTAX Sortiment nach der K-3 an.

Die Belichtungsautomatik der K-S2 arbeitet aus meiner Sicht sehr sicher und ausgewogen. Ich nutze in 95 Prozent aller Fälle die Mehrfeld-Automatik, so habe ich das eigentlich immer gehalten. Auch in schwierigen Gegenlichtsituationen hatte ich das Gefühl weniger stark über die Belichtungskorrektur gegensteuern zu müssen, als ich das sonst gewohnt bin.

Strandpromenade von Oostende mit leichter Belichtungskorrektur. Das neue Kit ist definitiv gegenlichttauglich

Warum nutze ich fast nur die Mehrfeld-Automatik? Eine Anpassung der Belichtung bzw. eine Tonwert-Korrektur führe ich wenn nötig in der Nachbearbeitung am Rechner durch.  Hintergrund für meinen Verzicht von Spot- oder mittenbetonter Integralmessung ist meine persönliche Erfahrung, dass ich bei Fotos sowieso immer nachträglich an den Reglern in Lightroom drehen will, und sei es nur in Nuancen. Daher bringt mir eine andere Belichtungsmethode vor Ort nicht den erhofften Mehrwert, es sei denn, die Belichtung liegt komplett daneben (das sind dann die restlichen fünf Prozent). Aber wie gesagt, dass ist mein privater Ansatz, jeder darf und soll das anders sehen. Insofern freue ich mich über die zuverlässig arbeitende Mehrfeld-Belichtungsautomatik der K-S2.

Besondere Aufmerksamkeit habe ich in den ersten Tagen der erhöhten Schärfeleistung (Clarity Enhancement) geschenkt. Dazu habe ich in Raw+ fotografiert, um neben den Rohdaten auch die JPEGs von der Kamera zu erhalten. Bei dieser Funktion gibt es nur Ein oder Aus, keine weiteren Einstellmöglichkeiten bspw. zur Stärke des Effekts.

Die erhöhte Schärfeleistung wirkt sich wie zu erwarten nur auf die JPEGs aus. In erster Linie sieht es so aus, als ob die Mikrokontraste im Foto stark angehoben werden, ungefähr so, wie es der Klarheit-Regler in Lightroom bewerkstelligt. Ich vermute mal, dass davon insbesondere nicht ganz so auflösungsstarke Objektive noch einmal profitieren können. Ob zusätzlich noch Objektiv-spezifische Profile einfließen, vermag ich nicht zu erkennen.

Bagger am Strand von Blankenberge: DA 18-135mm ohne erhöhter Schärfeleistung ...
... mit erhöhter Schärfeleistung ...
... und der direkte Vergleich unter der Lupe

Ricoh selbst spricht in der Produktbeschreibung zur K-S2 von einem "natürlicheren Eindruck mit einer höheren Bildbrillanz”. Die Fotos sehen in meinem Empfinden jetzt nicht unbedingt natürlicher aus, aber definitiv subjektiv schärfer mit einem besonderen Hochkontrast-Look, wie er mir persönlich sehr gut gefällt. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Effekt auch von vielen anderen Fotografen gerne verwendet werden wird. Allerdings wird es für JPEG-only Fotografen schwerer werden, Bilder mit eingeschalteter Schärfeleistung in der Nachbearbeitung in eine andere Richtung zu bearbeiten, was mit JPGs ohne großen Verfremdungseffekten eher möglich ist. Aber genau dafür ist ja Raw+ als Aufnahmeformat von Vorteil.

Das Stadtbild von Gent profitiert von der erhöhten Schärfeleistung mit dem weniger auflösungsstarken Kit-Objektiv
Der Vergleich unter der Lupe zeigt, wie stark feine Strukturen herausgearbeitet werden 

Zu beachten ist, dass bei aktivierter Clarity Enhancement die Kamera nach Aufnahme einige Sekunden mit Rechnen beschäftigt ist. Da werden aus den fünf Bildern pro Sekunde Serienbildleistung plötzlich mal geschätzte ein Bild pro fünf Sekunden. Zwar kann man in der Zeit die Kamera noch grundsätzlich bedienen und einstellen, aber eben nicht für ein neues Foto auslösen. Ich vermute, dass ist unter anderem auch der Grund dafür, dass diese Einstellung beim Ausschalten der Kamera bei Werkseinstellung wieder deaktiviert wird. Das Speichern der Einstellung muss erst explizit über das Kamera-Menu Speicher eingeschaltet werden.

A-HDR mit eigener Position
auf dem Programmwahlrad
Und noch ein Pentax-Novum habe ich in den ersten Tagen ausprobiert: die erweiterte HDR Funktion (Advanced HDR). A-HDR hat einen eigenen Platz auf dem Programmwahlrad ergattert, während normales HDR weiter nur über MENU oder INFO aufgerufen werden kann. Als Einstellmöglichkeit (sowohl für HDR mit als auch ohne A) kann ein Reihenwert von Plus-Minus eins, zwei oder drei Lichtwerten für die drei Reihen-Aufnahmen eingestellt werden, die zu einem HDR Bild verrechnet werden. Dies ist auch bei der normalen HDR Funktion nun möglich. Die einzelnen Aufnahmen der Belichtungsreihe werden nicht wie bei der K-3 einzeln gespeichert. Die Berechnung einer HDR Aufnahme geht sehr flott und dauert ca. fünf bis sechs Sekunden.

So richtig kann ich mich mit dem neuen Bildstil nicht anfreunden. Das liegt in erster Linie an den Heiligenscheinen, die an Kontrast-Kanten erzeugt werden. Fotos in A-HDR wirken sehr künstlich, fast wie gemalt. Für mich nutzt sich so ein Effekt-Filter schnell ab. Ricoh hätte vielleicht lieber die normale HDR Funktion auf das Programmwahlrad bringen sollen.

A-HDR unter der St Michaels Brücke in Gent - ganz gut funktioniert das Anti-Ghosting
Bagger in Blankenberge mit Heiligenschein dank A-HDR

Was mir dagegen sehr gefällt, sind die Möglichkeiten des manuellen Fokussierens mit dem schwenkbaren Monitor und digitaler Lupe bei aktivierten Fokus-Peaking . Dazu hatte ich in Belgien ab und an ein manuelles PENTAX M-135 3.5 am Bajonett der K-S2 angeflanscht. Das hat richtig viel Spaß gemacht, wobei hier wieder das Klapp-Display meiner Meinung nach der Zugewinn ist.

Die Fokussierhilfe (Fokus-Peaking) funktioniert im Grunde wie bei der K-01. Sie hebt Kontrastkanten, die scheinbar im Fokus des Objektiv gemäß der Entfernungseinstellung liegen, in weißer Farbe hervor. Leider gibt es wie bei der K-01 keine weiteren Konfigurationsmöglichkeiten wie bspw. eine alternative Farbe oder Empfindlichkeit der Anzeige.

Mit Sucherlupe und Fokus-Peaking: Genter Rathaus manuell scharfgestellt mit dem M 135mm F3.5

Oostende im Monitor-Blick
Auch ist die Aktivierung beim Fotografieren wie oben bereits beschrieben etwas umständlich (über Kamera-Menu 3, Auswahl Live-View, Unterpunkt Fokussierhilfe - eine Belegung der Raw/FX Taste ist nicht möglich). Einen Schnellzugriff über das INFO Menu gibt es nur im Video Modus. Dies ist aber sehr positiv anzumerken. Die K-01 konnte Fokus Peaking bei Bewegtbildern noch nicht (dafür aber die Fokussierhilfe auf die rote oder grüne Taste direkt legen).

In Blankenberge und Ostende an der belgischen Küste habe ich mich ein wenig in Langzeitbelichtung versucht (wieder ein Hoch aufs Klapp-Display) und die Kamera auf mein Stativ montiert. Bei Nutzung des Zwei-Sekunden Selbstauslösers klappt der Spiegel sofort hoch, so dass das Fehlen einer expliziten Spiegelvorauslösung nicht ganz so schwer wiegt. Das funktioniert auch beim Auslösen über eine Infrarot-Fernbedienung. Mit dem 12s Selbstauslöser oder IR Auslösung ohne Timer bleibt der Spiegel aber leider unten. Eine echte, explizite Spiegelvorauslösung bleibt den größeren Modellen vorbehalten.

Zum Gebrauch der IR Fernbedienung sei noch angemerkt, das trotz fehlenden Infrarot-Sensors an der Rückseite das Auslösen von der Seite kein Problem darstellt. Dies und die Spiegelvorauslösung beim 2s-Selbstauslöser zeigt folgendes kurzes Video:



Wi-Fi Direct ist aus meiner Sicht neben dem beweglichen Monitor die wichtigste Neuerung der K-S2. Die Kopplung mit meinen beiden Android Geräten (Smartphone und Tablet von Sony) über die WLAN Konfiguration klappt irgendwie, aber leider nicht immer problemlos. So startet zwar die Image-Sync App nach NFC Kopplung, aber die Wi-Fi Verbindung zur Kamera wird nicht immer etabliert. Ich habe den genauen Determinismus noch nicht verstanden, aber grundsätzlich klappt es. Ich sehe das durchaus sportlich (da ich selber als Softwareentwickler arbeite), irgendwann wird es stabil laufen.

Die Image-Sync App erlaubt im Fernauslösermodus die Einstellung einiger weniger Funktionen wie Weißabgleich, ISO und Belichtungskorrektur. Andere Funktionen wie Selbstauslöser werden noch nicht unterstützt, somit bleibt die App als Alternative zum 2-Sekunden-Auslösen mit Spiegelvorauslösung erst einmal außen vor. Das Live-Bild wird an das Mobilgerät übertragen, der Fokus-Punkt kann “per Touch” frei gesetzt werden. Der Kamera-Monitor bleibt in diesem Modus dunkel. Einstellungen direkt an der Kamera können bis auf das Programmwahlrad nicht durchgeführt werden. Dazu muss erst Live-View an der Kamera eingeschaltet bzw. am Mobilgerät ausgeschaltet werden. Hier steckt sicher noch Potential für Verbesserungen, aber der Anfang ist gemacht und es werden sicher noch Updates der Software kommen (müssen).



BILDERGEBNISSE


Am Ende des Tages kann eine Kamera noch so tolle Ausstattung haben, am wichtigsten sind immer noch die Bilder, die hinten rauskommen. Die Bewertung der Bildqualität ist immer ein wenig heikel, da im höchsten Maße subjektiv, wie alles hier. Schließlich bin ich kein Messlabor. Damit aber die Pixelpeeper unter uns sich ihre eigene Meinung bilden können, habe ich einige Raws und JPEG Fotos out of cam auf meinen Google Drive Account hochgeladen (hier klicken).  

Da mein Testexemplar des Kit-Objektivs nicht so gut mit der 20 MP Auflösung des Sensors zurecht kommt (dazu später mehr), habe ich auch einige Fotos mit meiner Referenz-Optik, dem DA 35mm Limited Macro geschossen. Dazu gibt es auch eine ISO-Reihe zur Beurteilung des Rauschverhaltens.

Dünen bei De Haan

Mit der Bildqualität bin ich sehr zufrieden, insbesondere wenn ein auflösungsstarkes Objektiv wie das 35er Macro montiert wird. Der Kontrastumfang scheint mir hervorragend, wie bei der K-5IIs, ohne das messen zu können. Subjektives Empfinden eben. Das Bildrauschen von Raws bei hohen ISO Werten finde ich persönlich sehr gefällig und gut in der Nachbearbeitung mit Lightroom kontrollierbar. Ich habe die Diskussion im Web um das vermeintlich stärkere Rauschen der K-3 mit seinem 24 MP Sensor bzw. der K-S1 mit dem gleichen 20 MP Sensor wie der der K-S1 wahrgenommen, praktisch haben die Unterschiede für mich persönlich keine Relevanz. Ich gehe bedenkenlos bis ISO 3200, aber selbst Aufnahmen bei ISO 6400 oder sogar 12800 lassen sich meiner Ansicht nach ansprechend verwerten, wenn auch in diesen Bereichen durch notwendiges Entrauschen Details verloren gehen, die Farben langsam verblassen bzw. der Kontrastumfang sinkt.

Shoppingcenter Gent Zuid bei ISO 1600
Crop-Ansicht bei ISO 6400, in Lightroom nur sehr moderat luminanz-entrauscht (20). Die Lila-Reflexionen an den Chromleisten sind keine Farbsäume, sondern wirklich lilafarbenes Licht.

Wenn ich Lust habe, schiebe ich in den nächsten Wochen noch einmal eine genauere Betrachtung und einen Vergleich des Rauschverhaltens mit der K-5IIs nach. Aber eigentlich hat das für mich keine Priorität, ich bin nämlich insgesamt mit der Bildqualität der K-2S sehr zufrieden.

DAS NEUE KIT-OBJEKTIV


Kleiner Entsperrknopf
Das DA L 18-50mm 1:4-5.6 DC WR RE punktet ganz klar durch seine Kompaktheit im eingefahrenen Zustand. Dafür ist da RE im Namen verantwortlich, das Objektiv kann in eine bestimmte Parkposition eingefahren werden. Ausgefahren ist es etwa so lang wie ein DA 18-135mm in Weitwinkelstellung, wobei die eingestellte Brennweite am neuen Kit kaum eine Rolle spielt. Vor dem Ein- uns Ausparken ist ein kleiner Entsperrknopf zu drücken und dann beherzt am Objektiv zu drehen. Das funktioniert in den meisten Fällen auch gut, ab und zu ist der Mechanismus aber ein wenig hakelig und klemmt. Übung macht hier den Meister.

DAL 18-50 DC WR RE: in Parkposition sehr kompakt
Der Zoom-Ring ist sehr schmal ausgefallen und kommt (von der Kamera aus gesehen) hinter dem etwas breiteren Ringe für die manuelle Fokussierung. Bei ausgefahrenen Objektiv liegt der Zoom-Ring in etwas in der Mitte, wobei ich in der Bedienung öfters mal daneben greife bzw. mit den Zoom-Ring ertasten muss. Der Tubus hat übrigens leichtes Spiel, was auch im Sucherbild beim Zoomen durch leichtes Wackeln zu erkennen ist. Das macht mir aber keine Sorgen, auch das hervorragende DA 16-45 oder das bewährte FA 28-70 F4 können das, ohne dass die Bildqualität darunter leidet.

Die automatische Scharfstellung über den DC-Motor ist angenehm leise und flott. Das manuelle Fokussieren geht ausreichend fein trotz elektronischer Einstellung (“Focus-By-Wire”). Diese hat den Nebeneffekt, dass ein Scharfstellen im ausgeschalteten Zustand nicht möglich ist. Dafür ist ein manuelles Nachregeln der Schärfe auch im AF Modus möglich (Quickshift). Die zuletzt gewählte Entfernungseinstellung bleibt auch nach dem Aus- und wieder Einschalten der Kamera erhalten.

Typische PENTAX Farben in einer Einkaufsstraße in Gent

Die Abbildungsleistung scheint mir einem Kit Objektiv entsprechend, nicht herausragend, aber eben ausreichend. Dabei sollte aber zumindest bei meinem Testmodell die Offenblende gemieden werden, wenn es wirklich auf die Auflösung ankommt. Abblenden um eine Blende hilft schon enorm, besonders in der 18mm Weitwinkel-Stellung.

Positiv vermerken kann ich, dass die Abbildungsleistung homogen verläuft und nicht zu den Rändern weiter abfällt. Das fällt besonders im Vergleich zum DA 18-135 auf, welches im Zentrum deutlich schärfer als das DAL 18-50 zeichnet, aber zum Rand hin stärker abbaut. Ich hatte noch die Gelegenheit, das Objektiv gegen ein DA 18-55 WR und dem etwas älteren DA 18-55 AL II antreten zu lassen. Um es kurz zu machen: ich konnte keine Verbesserung beim Kit feststellen, eher hat mir noch das DA 18-55 WR etwas besser gefallen.

DA 18-135 (links) im Zentrum deutlich schärfer als das Kit bei 18mm und Offenblende

Kaum Farbsäume bei Offenblende
Natürlich gibt es jenseits von Auflösungsvermögen noch Eigenschaften, die für ein Objektiv wichtig sind. Und hier kann das kompakte Kit punkten: in meinen Testaufnahmen sind so gut wie keine störenden Farbsäume bei Offenblende zu erkennen, das Gegenlichtverhalten ist vorbildlich und das Bokeh ist meiner Meinung nach auch gefällig.

In Summe ist es sicher kein Fehler, die K-S2 mit dem neuen Kit Objektiv zu kaufen, zumal ich vermute, dass man es bei Nichtgefallen auch ohne großen Preisverlust wieder veräußern könnte. Die Bildqualität ist OK, aber wenn Schärfe oberste Priorität hat wird man nicht glücklich. So bleiben aus meiner Sicht insbesondere die Kompaktheit und der leise DC Antrieb für den Fokus als Kaufargument. Beispielfotos in voller Auflösung mit dem neuen Kit habe ich bei Google Drive bereitgestellt (hier klicken).

Völlig unaufgeregtes Bokeh - wie es gemeinhin sein soll

ZUM SCHLUSS


Vielleicht ist es für ein finales Urteil zu früh, aber der erste Eindruck stimmt mich sehr positiv. Die aus meiner Sicht wichtigsten Neuerungen sind der bewegliche Monitor und die Wi-Fi Integration. Beides sind Optionen, die die fotografischen Möglichkeiten definitiv erweitern. Dazu bin ich sehr angetan von den Bildergebnisses des 20 Megapixel Sensors. Und das ganze ist PENTAX-typisch wieder in einem soliden, kompakten und wetterfesten Gehäuse umgesetzt, wenn auch nicht in der Gehäusequalität eines K-5 Modells oder K-3, was in der Klasse auch nicht erwartet werden darf.

Dünenweg bei De Haan zum Sandstrand (1)
Dünenweg bei De Haan zum Sandstrand (2)
Ich denke, Ricoh hat wieder ein sehr interessantes Paket geschnürt, welches aufgrund des weniger kontroversen Äußeren und dem kompakten Kit-Objektiv einige Neueinsteiger in das PENTAX System locken kann. Für uns Alteingesessene sind die neuen Optionen natürlich auch verführerisch, zumal in den nächsten Monaten die Preise deutlich sinken dürften, schaut man auf die Entwicklung der Vorgänger-Modelle. Ich persönlich hoffe, dass es Vari-Winkel Monitor und Wi-Fi Direct auch in die nächsten Modelle schaffen werden, insbesondere in einen Nachfolger der K-3.  Das wird dann ganz sicher mein nächster PENTAX Body, ich fange schon mal an zu sparen ...

K-S2 mit DAL 18-50: das Gesamtpaket stimmt

Noch ein kleines Nachwort zu den vereinzelt geäußerten Unmut zu fehlenden Funktionen, die man in einzelnen Foren lesen kann. Wir sollten nicht außer Acht lassen, dass Ricoh hier ein neues Modell im unteren bis mittleren Preissegement herausgebracht hat. Wie auch beim Mitbewerber werden da einige Funktionen (unter anderem auch nur softwareseitig) nicht angeboten und bleiben den höheren Modellen vorbehalten. Ich kann das zwar auch in einzelnen Punkten bedauern, aber verstehen kann ich es auch. Es gibt nun mal eine Modell-Vielfalt, und die will auch verkauft werden.

Meinen besonderen Dank zum Schluss geht an Ricoh in Hamburg, die mir die Kamera plus Objektiv zum Testen bereitgestellt haben.

Kommentare:

  1. Danke für den sehr informativen Testbericht. Ich überlege schon etwas länger, meine K5 zu ersetzen und bin mir noch nicht sicher, ob ich jetzt schon zuschlage (dann die K-S2) oder noch warte, bis der K3-Nachfolger hoffentlich mit WIFI und Clarity Enhancement und Klappdisplay erscheint.
    Zu Clarity Enhancement hätte ich noch eine Frage: Wird dabei auch der Kontrast ähnlich wie bei der Kontrastautomatik in FixFoto optimiert oder doch nur die Detailschärfe. In den Baggerbildern sind ja die Farben auch etwas unterschiedlich, so wirkt das Gelb mit Clarity Enhancement reiner und die Schatten aufgehellt. Kann man Clarity Enhancement nachträglich per Software noch anwenden?

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  2. Ich denke, dieses Jahr wird das nichts mehr mit einem K-3 Nachfolger, da steht bei Ricoh erst einmal die neue Pentax FF im Vordergrund.

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  3. Moin. Bist du zu dem Rauschvergleich mit der k5IIs gekommen? Würde mich sehr interessieren. Gruß

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  4. Oha, hab eben erst Deine Frage gesehen. Ja, bin ich. Sogar schon vor einigen Wochen: http://ishootpef.blogspot.de/2015/03/pixel-peeping-pentax-k-s2-vs-k-5iis.html

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