Dienstag, 12. November 2013

I Am Speed! Pentax K-3 im Kurztest

Für einige Tage hatte ich das neue Spitzenmodell von Ricoh hier, die Pentax K-3. Dazu noch eine K-5 IIs, die ich mir als Nachfolger zur K-5 in Vorfreude auf das Weihnachtsfest geleistet habe. Das Erscheinen der K-3 hat mich doch ein wenig verunsichert, der "Haben-Wollen-Faktor" ist einfach nicht zu unterschätzen, insbesondere wenn man sich mal die neuen Features der K-3 auf dem Papier ansieht. 

Motivation für eine neue Kamera war für mich der Wunsch nach einem zielgenaueren, vielleicht auch schnelleren Autofokus bei schlechtem Licht, gerade für meine lichtstärkeren Festbrennweiten wie das FA 35mm f/2,0 oder FA 50mm f/1,4. 

K-3 und ihre Vorgänger K-5 IIs und K-5.
In allen Bereichen hat die Neue zugelegt: Auflösung, Display, AF-Punkte, Bedienelemente, Funktionen (Tiefpassfilter-Simulation, Raws bei HDR, AF-Verfolgung), Dual-SD-Kartenslot, leider auch Gewicht und Größe. 

Das Display der K-3 ist größer und im passenden 3:2 Format, dazu leicht geänderte Bedienelemente
Schnell ist sie wirklich. Und das in vielerlei Hinsicht. Trotz der gesteigerter Auflösung auf 24 MP ist das neue Spitzenmodell von Ricoh gefühlt doppelt so schnell im Vergleich zu den K-5 Vorgängermodellen mit ihren 16 MP Sensoren. 

Dies ist insbesondere bei der direkten Kontrolle des gerade aufgenommenen Fotos erlebbar. Während ich bei der K-5 nach der Aufnahme schon mal einen Moment auf die Anzeige warte, ist es bei der K-3 fast sofort da. Allerdings gilt dies nicht bei "Dauerfeuer", da das Speichern vieler Raw-Fotos aus dem Puffer weiterhin ein Weilchen braucht und die Kamera blockiert. 

Die Schärfe gewohnt sicher getroffen, auch bei kontrastärmeren Zielen
Apropos Serienaufnahmen: bei 8,3 Bildern pro Sekunde bekomme ich kaum schnell genug den Finger vom Auslöser, ohne dass direkt zwei Aufnahmen gemacht werden. Sehr praktikabel ist daher die Funktion, die Serienrate in drei Stufen zu steuern. 

Verantwortlich für die gesteigerte Performance dürfte in erster Linie der neue Bildprozessor PRIME III sein. Unmittelbar spürbar ist dies beim Zusammenrechnen einer HDR-Aufnahme aus drei Fotos. Während sich die K-5 gerne weit über 20 Sekunden gönnt, bewerkstelligt die K-3 dies in knapp 10 Sekunden - und das bei einem Drittel mehr Bilddaten aufgrund der höheren Auflösung.

Die kleineren AF Punkte helfen beim Weg durch das Dickicht
Viel Tamtam gab es im Vorfeld um das neue Autofokus-System mit 27 AF-Feldern. Hier haben sich viele Pentaxianer erhofft, endlich den Anschluss an die AF-Geschwindigkeiten der CaNikons dieser Welt zu finden, insbesondere bei der kontinuierlichen AF-Verfolgung. 

Um es kurz zu machen: ich kann keinen signifikanten Unterschied zur K-5 IIs feststellen, insbesondere nicht beim AF-C. Hier fehlt mir aber auch die Kompetenz. Zumindest kann ich sagen, dass ich meine Tochter beim Sankt-Martin-Singsang (also schlechtes Licht und kontinuierliche Bewegung) genauso gut oder schlecht mit der K-3 wie auch mit der K-5 IIs fokussiert bekommen habe. Aber nochmal: hier fehlt mir sicher die Übung und Erfahrung mit bewegten Motiven. 

Aber eine Verbesserung beim automatischen Scharfstellen konnte auch ich zweifelslos bemerken: der Autofokusmotor in der Kamera hat einen Leistungsschub erfahren, der insbesondere beim Kontrast-AF im Live View deutlich spürbar ist. Leider ist er auch hörbar, die oft zitierte Metapher des "Akkuschraubers" wird eindrucksvoll und hochfrequent bestätigt, zumindest meine alten FAs klingen an der K-3 noch schräger. 

Das DA 18-135 mit eingebauten DC Motor kann davon aus offenkundigen Gründen nicht profitieren, gefühlt ist es gleich schnell an der K-3 und an der K-5 (IIs). 

Belichtung und Dynamikumfang stimmen, auch hinter den Fenstern
Sehr beeindruckt hat mich die Belichtungsautomatik. Während ich bei den K-5 Modellen mittlerweile erahnen kann, in welchen Situationen ich bei der Mehrfeld-Belichtungsmessung über die manuelle Belichtungskorrektur gegensteuern muss, hat mich die K-3 positiv überrascht. 

Selbst bei Gegenlichtaufnahmen mit der Sonne im Bild war die Belichtung ausgewogen. Natürlich kann in der Nachbearbeitung von Raws der K-5 immer noch ca. zwei oder drei Blendenwerte am Rechner herausholen, aber Vorteile hat das nicht. Also schön, dass es auch ohne Korrektur gehen kann. Bravo, K-3.

Gegenlichtsituation ohne manuelle Belichtungskorrektur
Auch der automatische Weißabgleich (WB) scheint in der Regel gut zu funktionieren, wobei ich den neuen "Multi" WB nicht so recht fordern konnte. Bei einigen Testaufnahmen hatte ich zwar verschiedene Leuchten ausprobiert, aber es fehlte wohl noch echtes Tageslicht als Herausforderung für die neue WB Einstellung. 

Bei einigen wenigen JPG Aufnahmen bei Kunstlicht lag der Weißabgleich ordentlich daneben. Aber das bereitet mir keine Kopfschmerzen und kann sicher durch ein Firmware-Update weiter optimiert werden. Auch der WB von in Lightroom 5 importierten Raws lag manchmal falsch, das könnte aber auch an der noch fehlenden Unterstützung der K-3 in LR liegen, trotz "standardisierten" DNG Format.  

Hier hat der AWB bzw. die Jpeg Engine der K-3 mal daneben gegriffen
Spannend ist immer das Thema Bildauflösung und Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten, insbesondere im Vergleich zu den 16 MP Modellen. Mittlerweile gibt es hier einige Testaufnahmen im Netz zu finden, so bei Imaging-Resource. Bei der Bildqualität habe ich mir gar nicht so viel Gewinn von der K-3 erhofft, zumindest nicht bei höheren ISO-Werten, und so scheint es auch zu sein. Oder positiv ausgedrückt: trotzt gesteigerter Auflösung scheint Pentax das High-ISO Rauschen weiter sehr gut im Griff zu haben.

Meine Fotos für diesen Blog-Eintrag habe ich übrigens als Raws im DNG Format hier bei Google-Drive hochgeladen, insbesondere Testaufnahmen der K-3 (hier) und K-5 IIs (hier) eines Wohnzimmers bei Kunstlicht mit dem selben Objektiv (DA 21mm Limited), dem gleichen Weißabgleich und verschiedenen ISO-Werten.

K-3 vs K-5 IIs bei ISO 1600 (100%) - Originale gibt es hier
K-3 vs K-5 IIs bei ISO 3200 (100%) - Originale gibt es hier
K-3 vs K-5 IIs bei ISO 6400 (100%) - Originale gibt es hier
Bei guten Objektiven, die das Mehr an Pixeln auch auf den Sensor bekommen, ist sicher eine gesteigerte Bildqualität gegenüber den älteren Pentax-Modellen beim Pixel-Peeping festzustellen.

Für mich persönlich hat das aber keine praktische Bedeutung. Insbesondere bin ich nicht scharf auf die gesteigerten Dateigrößen der Raws (und der zunehmenden Hardware-Anforderungen für die Verarbeitung in Lightroom am Rechner). Aber das ist wohl der Fortschritt, den man bei neuen Modellen nicht mehr entgehen kann.

Was noch? Bitte nicht lachen, aber mir gefällt das neue Auslöse-Geräusch. Die K-5 Modelle klingen bereits eindrucksvoll mit ihrem gedämpften und leisen Spiegelschlag, besonders im Vergleich zur Konkurrenz (auch im eigenen Haus). Aber die K-3 toppt das für meine Ohren noch einmal. Der Spiegelschlag klingt heller und noch unauffälliger. Toll gemacht, Ricoh!

An die K-3 gehört natürlich standesgemäß auch ein Limited Objektiv ;-)
Mein Fazit? Eine tolle DSLR, die Ricoh da in den Markt bringt, ein würdiger Nachfolger für die K-5 Modelle. Ich gebe zu, ich bin sehr versucht. Die K-3 verspricht viel und hält (fast) alles. Dies bestätigt auch der heute veröffentlichte Test bei Pentaxforums.com. Der Review stärkt ebenfalls mein subjektives Empfinden, dass beim Autofokus immer noch einiges für Ricoh zu tun bleibt. Ansonsten beeindruckt die tolle Performance. Beim Erstkontakt dachte ich sofort "Wow, ist die schnell" und "Oh, die ist aber schwer geworden". Haptik und Bedienung sind auf gewohnt sehr hohem Niveau. Ob ich die Änderungen in den Bedienelementen alle gut finde, kann ich nach so kurzer Zeit noch nicht bewerten, zu sehr bin ich hier in der K-5 Welt verhaftet.

Trotz großer Versuchung habe ich mich nun entschieden, standhaft zu bleiben und der K-3 zu entsagen. Sorry Pentax, die K-5 bzw. K-5 IIs ist bereits einfach zu gut, um einen Wechsel jetzt zu rechtfertigen. Die technischen Verbesserungen der K-3 sehe ich, ohne Zweifel, aber Verstand und Herz sagen mir, dass ich mit ihr kaum bessere Fotos in meinem Fotoalltag realisieren werde als mit einer K-5 IIs.  Und der Verstand hat noch ein unschlagbares Argument. Während die K-5 II(s) nun abverkauft wird, stehen wir bei der K-3 noch am Anfang der Preisentwicklung. Und bei 500 bis 600 EUR Preisdifferenz (bis zum 14.1. gibts Pentax Cashback) gibt es ja bereits noch eine K-30 oder ein schönes Limited (zumal mit weniger Wertverlust) obendrauf ;-)

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