Sonntag, 6. November 2016

Unterwegs in Vorarlberg mit der PENTAX K-70 [Praxistest]

K-70 im Außeneinsatz - die neue Mittelklasse aus dem Hause PENTAX

In den Herbstferien hatte ich das große Vergnügen, das neueste DSLR Modell von Ricoh testen zu dürfen, die mir von Ricoh in Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Die PENTAX K-70 durfte mich nach Vorarlberg in Österreich für eine Woche begleiten. Erste Fotos habe ich bereits im letzten Post Fisheye Bregenzerwald gezeigt. In diesem Beitrag fasse ich mal ein paar Gedanken zusammen, ohne jetzt einen umfassenden Test abliefern zu wollen, der allen Aspekten der Kamera gerecht werden könnte (z.B. hat mich nie die Video-Funktion einer PENTAX Kamera sonderlich interessiert). Dazu gibt es einige Fotos aus Vorarlberg, diese allerdings diesmal ohne Fisheye Optik.

Die K-70 gilt zugleich als Nachfolgerin der K-50 als auch der K-S2, wobei insbesondere letzere Kamera wohl Pate stand. Dabei hat Ricoh die (wenigen) Kritikpunkte an der K-S2 angenommen und aus meiner Sicht auch beseitigt, so dass eine Top-Mittelklasse DSLR herausgekommen ist, die die bekannten PENTAX Tugenden hochhält, viel Kamera fürs Geld zu bieten. Schon selbstverständlich sind da die bewegliche Sensoreinheit, die Wetterfestigkeit und das kompakte, robuste Gehäuse. Dazu kommen einige neue Features, die von der neuen K-1 und dem letztjährigen Top-Modell K-3 II stammen, allen voran die Pixel Shift Resolution.

Sonntäglicher Blumengruß aus dem Großwalsertal (DA 18-135mm)
Alpengasthaus Edelweiss am Aufstieg zur Kanisfluh (Samyang 14mm)

Der Body erinnert in seiner Form und mit der Anordnung der Bedienelemente sofort an die K-S2, auch wenn er leicht in der Größe zugenommen hat. Das Außenmaterial ist standesgemäß Plastik, leicht angeraut, hochwertig verarbeitet und ohne irgendwelches Knarzen. Persönlich ziehe ich aber immer ein Magnesium Gehäuse wie bei den K-5/K-3 Modellen vor, das Anfassgefühl ist mir einfach sehr wichtig fürs Wohlbefinden. Wie beim Vorgänger ist das Display an einem Scharnier an der linken Seite befestigt und klappt seitlich aus. Die Aufhängung hatte bei meinem Modell leider etwas Spiel, so dass der Monitor ein wenig klapprig in der Ruheposition an der Kamera hing. Ich glaube, dass ich hier aber auch sehr kritisch hinschaue, zumal mich die Vier-Stangen-Mechanik des Displays einer PENTAX K-1 im Sommer so begeistern konnte.

Mein Hauptkritikpunkt im Test der K-S2 war seinerzeit die Ausgestaltung der Tasten des Steuerkreuzes, die bündig mit dem Gehäuse abschließen und dann nach innen einfallen und somit schwer ertastbar sind. Dieses Manko hat Ricoh definitiv nachgebessert, auch wenn der erste Blick auf die Kamerarückseite dies zunächst nicht erwarten ließ. Besonders hilfreich finde ich die neue Option im Einstellungsmenu 4-Wege-Controller-Einstellung. Bei der Auswahl von Typ 2 wird das Steuerkreuz primär für die Wahl des AF-Punktes genutzt. Wenn stattdessen die direkte Anwahl für ISO, Weißabgleich oder Aufnahmeart über das Steuerkreuz benötigt wird, wird diese durch langes Drücken der OK Taste kurzfristig eingeschaltet, die Kamera fällt danach aber wieder in die AF-Auswahl zurück. Für mich ist das bisher die beste Lösung, die ich mir auch für meine K-5IIs wünsche. Noch empfänglicher wäre ich freilich für ein eigenes, zusätzliches Steuerkreuz oder Joystick zur AF-Punkt-Auswahl, wie Nikon dies beispielsweise bei der D500 oder Fuji bei der X-T2 anbietet.

Unter der Gondel am Diedamskopf  (Samyang 14mm)
Wintereinbruch Hochtannenbergpass (DA* 200mm)

Gegenüber der K-S2 bietet die K-70 einen neuen Sensor mit mehr Pixeln auf gleichem Raum (24 statt 20 Megapixel), die Pixel Shift Funktion für eine noch bessere Ausnutzung der Bildauflösung bei statischen Motiven, ein konfigurierbares INFO Menu (mein Highlight: Anzeige der aktuellen Brennweite auch bei Zooms) sowie die sehr nützliche Ansichtseinstellung draußen, die ich mir sofort auf die Raw/FX1 Taste gelegt habe. Dieses kleine, unscheinbare Feature (erstmals eingeführt in der K-1) erlaubt es, die Display-Helligkeit auf einfachste Weise an das Umgebungslicht anzupassen, so dass auch bei Sonnenschein der Monitor sehr gut ablesbar bleibt.

Einige Gags der K-S2 haben es nicht in den Nachfolger geschafft, so der Selfie-Modus, der die Wifi-Taste zum Auslöser umfunktionierte, sobald der Monitor um 180 Grad nach vorne gedreht wurde, sowie eine eigene A-HDR Stellung auf dem Programmwahlrad. Aus meiner Sicht kein Verlust. Dazu hat es aber ein neues Gimmick (ich mag es nicht anders nennen) in die K-70 geschafft: das Nachtsichtdisplay taucht die Anzeigen auf dem Monitor in tiefe Rottöne, was die Lesbarkeit im Dunkeln erhöhen soll. Nun gut, die Spielerei sei verziehen.

Gewohnte PENTAX Bedienelemente - A-HDR Stellung und Selfie-Auslöser der K-S2 sind wieder verschwunden
In Vorarlberg mein Objektiv für weite Landschaften und überragende Schärfe: das manuelle Samyang 14mm 

Stillstand gibt es beim Autofokus. Das AF-Modul SAFOX X entspricht dem der K-S2 - und der vier Jahren alten K-5IIs. Der Phasen-AF mit 11 Sensoren funktioniert zuverlässig auch bei wenig Licht (insbesondere der zentrale AF Sensor), für kontinuierliche Verfolgung schneller Ziele ist das System aber nicht sonderlich geeignet. Für Landschaftsaufnahmen in Vorarlberg oder Schnappschüsse von der Familie reicht es allemal.

Ricoh bewirbt die K-70 mit einem neuen Hybrid-Autofokussystem für den Live-View (also Phasen-AF direkt auf dem Sensor) für mehr Geschwindigkeit - in der Praxis konnte ich aber keine Vorteile für mich feststellen. Im Pentaxforums Review der K-70 hab ich den Hinweis gefunden, dass dies wohl auch nur für Video Aufnahmen und mit PENTAX Linsen mit speziellen AF Motoren (DC oder PLM im Namen, SDM wohl nicht) funktioniert - und da eher leidlich. Mit anderen Worten: die K-70 ist die erste Pentax mit Autofokus bei Videoaufnahmen, aber die aktuelle Implementierung dürfte kein sonderlicher Aktivposten sein. PENTAX macht halt Fotoapparate und keine Videokameras.

Paragliding konnte den K-70 Autofokus nicht überfordern (DA* 200mm)
Blattportrait (FA 43mm)

Wirklich herausragend empfinde ich die Bildqualität, die Ricoh aus dem 24 Megapixel Sensor von Sony herausholt. Ich hatte jetzt nicht die Zeit, gezielte ISO Belichtungsreihen wie noch im K-1 Test zu machen, aber letztendlich müssen ja die Fotos aus der Praxis überzeugen. Und das haben sie. Selbst ISO 6400 Raws zeigen noch ein gefälliges (aber natürlich auch deutlich vorhandenes) Rauschen und können somit gut nachbearbeitet werden - was für eine APS-C Kamera wirklich erstaunlich ist. Gefühlt produziert die K-70 die besten Bilder, die jemals aus einer APS-C Pentax  in meinen Händen gepurzelt sind.

Pixel Shift habe ich jetzt nicht gesondert ausprobiert, sehe die Funktion aber als echten Gewinn, wenn der Anwendungsfall stimmt. Ich verweise hier mal auf meinen Pixel Shift Bericht zur K-1, die neue K-70 bietet hier die gleiche Funktionalität inklusive Bewegungskorrektur und somit das Potential das Maximum an Auflösung aus den Rohdaten herauszuholen - es darf sie halt nur nichts bewegen.

Aufgereiht (FA 43mm)
Wanderung am Diedamskopf (DA* 200mm)

Apropos Raw. In meiner Woche mit der K-70 ist mir ein Fauxpas unterlaufen. Getreu dem Blog-Motto habe ich die Kamera auf PEF als Aufnahmeformat eingestellt, nur um dann nach einigen Tagen feststellen zu müssen, dass Lightroom die Kamera noch gar nicht unterstützt. Zum Glück ist es möglich, mit der mitgelieferten Digital Camera Utility Software nachträglich in das DNG Format zu konvertieren und so die Raws in Lightroom zu imporieren. Glück gehabt.

Einen hab ich noch: der Akku ist zu klein. Bei mir hat er pro Tag in den Bergen für knapp über 300 Fotos gereicht. Dabei habe ich weder Videos aufgenommen noch den Blitz eingesetzt, nur ab und an mal den Live View genutzt und die Aufnahmen am Monitor kontrolliert. Also eigentlich nichts Besonderes. Ein oder zwei Ersatzakkus wären damit für mich Pflicht, um unbesorgt über den Tag zu kommen.

Fazit? Aus meiner Sicht ist die K-70 eine wirklich gute, absolut konkurrenzfähige Mittelklasse DSLR, die mit Funktionalität, Robustheit und 1-A Bildergebnis überzeugt, die sich aber auch mal wieder über den Autofokus angreifbar macht - aber das hat Tradition und stört uns Pentaxians auch nicht sonderlich, da wir in der Regel keine Action-Fotografen sind. Die anderen Herstellen sollen ja auch ihre Nische behalten ;-)

Abstieg vom Diedamskopf (Samyang 14mm)
Schnee- statt Feenstaub (FA 43mm)

Montag, 24. Oktober 2016

[Fisheye] Bregenzerwald

Emilia und Sophia sind sich einig: das Fisheye Zoom kann auch Kühe am Hang

Heute gibt es eine neue Folge in meiner kleinen, unregelmäßig erscheinenden Serie Fisheye XY. Die letzte Ausgabe ist bis auf einen Tag bereits ein Jahr her. Es gelten aber für mich immer noch die gleichen Erkenntnisse, mein DA 10-17mm ist ein zumeist unterschätztes, aber wunderbar vielseitig einsetzbares Landschaftsobjektiv.

Diesmal durfte das Fisheye-Zoom sich an der PENTAX K-70 behaupten, die mir für die Herbstferien im Bregenzerwald in Vorarlberg zur Verfügung stand. Einen kleinen Praxisbericht zur neuen Mittelklasse von Ricoh sollte ich demnächst noch nachreichen können. Jetzt lass ich aber mal einfach Bilder sprechen ..

Wanderung zur Kanisfluh (1) - 15mm f/11
Wanderung zur Kanisfluh (2) - 10mm f/11
Wanderung zur Kanisfluh (3) - 10mm f/16
Abstieg vom Diedamskopf (1) - 17mm f/9
Abstieg vom Diedamskopf (2) - 10mm f/5,6
Abstieg vom Diedamskopf (3) - 10mm f/9
Abstieg vom Diedamskopf (4) - 17mm f/11
Abstieg vom Diedamskopf (5) - 11mm f/5,6
Morgendlicher Ausblick aus der Ferienwohnung - 17mm f/8

Sonntag, 2. Oktober 2016

PENTAX K-1 in der Rückschau - Mein Fazit

Einträchtig im Grünen: die "vollformatige" K-1 und die K-5IIs als Vertreter der vielen PENTAX APS-C Modelle

Nachdem ich die PENTAX K-1 schweren Herzens Ende August wieder nach Hamburg zurückgeschickt und in den letzten Wochen eins, zwei, drei Beiträge hier auf dem Blog veröffentlicht habe, ist nun ein wenig Zeit vergangen und ich stelle mir heute die Frage: Was ist hängen geblieben? Wie sehr vermisse ich die K-1? Wird sie meine K-5 IIs beerben? Zeit also mit Abstand für ein kleines, persönliches Fazit.

K-1 und FA77 - wie füreinander geschaffen
Wenn ich an die K-1 denke, dann denke ich spontan an das FA 77mm Limited Objektiv, welches ich an meinen APS-C Gehäusen nie so richtig eingesetzt und somit zu schätzen gelernt habe, die Festbrennweite an der K-1 als kurzes Tele aber einfach nur fantastisch finde. Und ich denke an den professionellen Charakter, den die große Kamera ausstrahlt. Durch und durch Fotografen-Werkzeug. Haptik, Bedienung, Funktionalität - alles vom Feinsten und das Beste, was ich bisher bei PENTAX erlebt habe (ich lasse den kurzen Kontakt mit der 645Z außen vor). Was ich in den Wochen nicht so zu schätzen gelernt habe, ist das neue Funktionsrad plus eigenem Einstellrad. Für mich hätte es das nicht gebraucht, aber bei allem was ich so lese, liebt die Mehrheit der Nutzer die neuen Bedienelemente wohl. Natürlich gibt es auch kleine Unannehmlichkeiten an der Kamera wie die etwas zu lange Aufwachzeit oder der Umzug der Wiedergabe-Taste oder die unvermeidliche Gewichtszunahme. Diese Punkte sind aber für mich nicht entscheidend. OK, an Größe und Gewicht musste ich mich gewöhnen, hat aber nicht lange gedauert.

Trotz Größe und Anspruch ist die K-1 durchaus Schnappschuss-tauglich

Wenn ich heute zu meiner zierlichen K-5 IIs greife, dann vermisse ich tatsächlich am meisten die grandiose Mechanik des rückwärtigen Displays sowie den großen optischen Sucher. Derzeit habe ich zusätzlich die K-70 für ein paar Wochen zum Testen zur Verfügung, und der Unterschied im Handling ist schon eklatant. Nicht, dass die K-70 hier schlecht wäre, überhaupt nicht, immerhin auch mit einem seitlich ausklappbaren Display. Aber die K-1 spielt einfach in einer ganz anderen Liga. Alles andere wäre angesichts des Preises auch verwunderlich.

Einen Punkt, der mir in der Rückschau wichtig ist zu erwähnen, betrifft den Autofokus. Wenn man so manchen Kommentar im Netz liest, könnte man meinen, der Autofokus der K-1 könne nicht vernünftig scharfstellen. Und im kontinuierlichen AF erst gar nicht. Das ist völliger Quatsch. Sicher ist die automatische Fokus-Nachführung bei sich bewegenden Objekten keine Domäne von PENTAX, daher wird die K-1 auch nicht die erste Empfehlung für Action Fotografen an der Rennstrecke erhalten. Aber natürlich kann ein fähiger Fotograf auch bei schnellen Szenen mit dieser Kamera erfolgreich fotografieren. Ja, meinetwegen mit mehr Ausschuss, aber sicher auch mit vielen erfolgreichen Treffern. Andere Hersteller können das besser, schaffen auch mehr Bilder pro Sekunde, dafür kann die K-1 eben andere Dinge (besser). Die AF Fähigkeiten aber völlig in Abrede zu stellen, ist völlig daneben. Ich für meinen Teil bin mit dem Autofokus der Kamera zufrieden, benötige für meine Art der Fotografie nicht mehr. Obwohl ... mehr AF Punkte mit höherer Bild-Abdeckung wäre schön fürs Pflichtenheft einer nächsten PENTAX Systemkamera.

Vielleicht kann der AF-C nicht gut mit Fahrradfahrern, aber Möwen im Flug stellen kein Problem dar

Bisher habe in diesem Post noch gar nichts über die Bildqualität geschrieben. Und in der Tat scheint das für mich weniger entscheidend als vielleicht zu erwarten wäre. Eine KB-Kamera kauft man schließlich wegen der überlegenden, grandiosen Bildqualität, oder? Ich versuche das etwas nüchterner zu sehen (gelingt nicht immer). Natürlich bringt der große Sensor in der K-1 nochmals mehr Spielräume auf allen Ebenen: geringeres Rauschen bei hohen ISO Werten um zwei Blendenwerte, großzügigere Auswahl (Crop) des Bildausschnitts aufgrund der hohen 36 Megapixel Bildgröße, ein noch engeres Spiel mit der Schärfentiefe, mehr Kontrastumfang. Alles keine Frage, das ist so. Und dann noch das Plus beim Auflösungsvermögen durch Einsatz von Pixel Shift. Gerade erst hat DxOMark die K-1 als Vollformat-Wunder betitelt und in Reihe mit den Klassenbesten Nikon 810 und Sony Alpha 7R II aufs Treppchen gestellt - und damit vor allen vom Endpreis her vergleichbaren Modellen (und auch vor einer doppelt so teuren, neuen Canon EOS 5D IV).

Der große Kontrastumfang ist eine der vielen Stärken der K-1

Ich gebe zu, dass sind Streicheleinheiten für meine PENTAX Seele, aber rational gesehen dürfte das für mich gar nicht so entscheidend sein. Wenn ich im PENTAX System bleibe, ist die Bildqualität der K-1 natürlich im Vergleich zu den APS-C Modellen führend. Aber die Frage sei mir ehrlich gestellt: brauche ich das? Die Bildergebnisse aller anderen K-Modelle sind völlig ausreichend für meine üblichen Ausgabemedien, egal ob 4K Fernseher (den wir noch nicht haben) oder 60 x 80 cm Ausdruck. Aber es geht halt nicht um Ratio, gerade nicht beim Hobby. Es geht nicht um brauchen, es geht eben auch um können oder einfach nur wollen.

Blende ich den monetären Aspekt einfach mal aus, bleibt für mich eine Systemfrage. Auf der einen Seite die relativ handlichen APS-C Modelle (bei mir vertreten durch die K-5 IIs und K-01) mit kompakten DA Objektiven und sehr guter Bildqualität. Auf der anderen Seite das größere, schwerere Modell mit einem hervorragend gestaltetem Gehäuse und dem verloren geglaubten Feeling der KB Brennweiten. Die 31mm eines FA Limiteds sind wieder Weitwinkel, 43mm die Normalbrennweite, 77mm das leichte Porträt-Tele. Dazu eine Abbildungsleistung, die so herausragend ist, dass ich noch meine Anwendungsfälle dafür suchen muss - lasse ich mal Pixel-Peeping in der 100-Prozent-Ansicht in Lightroom außen vor.

Ich bin mir sicher: wenn heute meine K-5 IIs ihren Betrieb einstellen würde, dann wäre die K-1 meine nächste PENTAX DSLR, zumal genug Kleinbild-taugliche Objektive im Schrank bereitstehen. Und das trotz des Zugewinns an Größe und Gewicht, was ich persönlich immer kritisch sehe. Aber für klein und leicht habe ich auch mit Olympus meine Alternative außerhalb des PENTAX Systems gefunden.

Ansonsten lasse ich noch das Jahr verstreichen, aber nächstes Jahr werde ich endlich fällig für einen neuen PENTAX Body. Aus heutiger Sicht wird das die K-1. Die Wahl wird dann wieder schwieriger, wenn Ricoh einen K-3 Nachfolger mit APS-C Sensor Anfang des Jahres vorstellen wird, der bis auf den Kleinbild-Sensor all die anderen Annehmlichkeiten der K-1 nachrüstet (allen voran das Display), ohne aber nennenswert bei den Dimensionen zuzulegen. Aber selbst wenn die Kleinbild-Kamera ins Haus kommt, wird eine kleinere PENTAX DSLR als leichtes Backup bleiben. Meine K-5 IIs gebe ich somit nicht mehr her, aber die K-1 darf gerne demnächst die Hauptrolle in meiner Fotoausrüstung spielen.


Montag, 26. September 2016

Spielplatz mit Durchblick - Olympus Perspective Playground

Perspective Playground - Kunst durch das Auge der Kamera

Im Nachgang zur Photokina in Köln haben wir am Sonntag einen Familienausflug zum Carlswerk in Köln Mülheim unternommen. Dort ist für drei Wochen (bis zum 9.10.) Olympus mit seiner Ausstellung Perspective Playground zu Gast. Das Motto der Veranstaltung: Entdecke die Welt der Kunst durch das Auge der Kamera.

Am Einlass gibt es zunächst auf Wunsch eine Olympus OM-D oder PEN Systemkamera um den Hals, mit der man die unterschiedlichen Rauminstallationen besuchen und ablichten kann. Selbst unsere Kleinen konnten eine eigene Kamera zum fotografischen Experimentieren erhalten. Wer will darf aber auch seine eigene Technik nutzen, die auch nicht von Olympus sein muss. Für uns DIE Chance für ein gemeinsames Familienfoto (normalerweise fehle ich da aus offensichtlichen Gründen immer) waren die zahlreichen, hilfsbereiten Angestellten vor Ort, denen man auch mal gerne die Kamera in die Hand drücken konnte.






Wir haben zwei spannende und unterhaltsame Stunden verbracht, inklusive einer virtuellen Reise durch eine Skulptur, einem verwirrenden Aufenthalt in einem schiefen Zimmer sowie einer coolen Licht-Performance. Dabei konnten wir in der Zeit nicht einmal alle Räume besuchen (irgendwann ließ die Kondition doch nach). Zum Abschluss gab es die Speicherkarten als Erinnerung mit nach Hause, die PEN F musste ich leider wieder abgeben. Und habe ich es schon erwähnt? Der Eintritt ist kostenlos.

Coole Geschichte, was Olympus da auf die Beine gestellt hat. Das nenne ich mal positive Vermarktung. Bei mir hat's gewirkt. Meine hochgeschätzte OM-D E-M10 wird nun vom Nachfolgemodell Mark II abgelöst. Falls jemand Interesse hat, die E-M10 mit Lumix G 20mm f/1.8 II Objektiv steht zum Verkauf ... aus meiner Sicht immer noch der ideale und günstige Einstieg, das MFT System kennen und lieben zu lernen.





Samstag, 24. September 2016

Besuch auf der Photokina 2016

Ruhe vor dem Sturm: kurz vor Einlass 

Anders als noch vor zwei Jahren hatte ich für meinem Besuch auf der Photokina in diesem Jahr keine großen Erwartungen. Dennoch war es wieder sehr spannend und interessant - aber aufgrund der vielen Reize und Eindrücke auch sehr anstrengend. Los ging es am Morgen am Stand von Ricoh, an dem ich mit einem sehr sympathischen PENTAX Repräsentanten zum Plausch verabredet war. Worum es genau ging, möchte ich jetzt noch nicht schreiben, aber da kann noch was im Laufe des Jahres passieren. Backstage gab es zur Begrüßung einen leckeren K-1 Punch (einen alkoholfreien Cocktail), und ich konnte sogar einen Blick auf den Firmenchef von Ricoh Imaging aus Japan erhaschen. Schöner Termin. Der Blick hinter die Kulissen hat viel Spaß gemacht.

Der Ricoh-Stand selber war in meinen Augen etwas weniger aufwendig gestaltet als vor zwei Jahren mit der großen Wasserinstallation. Im Mittelpunkt stand das Lifestyle Produkt Theta-S zur 360-Grad-Fotografie. Das ist aber nicht so mein Ding. Fotografisch bin ich weiterhin schön konservativ unterwegs, ich mag sogar noch optische Sucher und Spiegelschlag. Diese Vorliebe wurde mit einer eigenen "Insel" für die PENTAX K-1 bedient, dazu gab es viel Zubehör und Objektive zum Ausprobieren. Falls noch nicht vergriffen, möchte ich das ausgelegte PxP Magazin empfehlen. Es bewirbt in meinen Augen die K-1 sehr sympathisch, indem es ein paar Geschichten um die Kamera herum erzählt. 

Im Mittelpunkt: PENTAX K-1 und andere Technik zum Anfassen
Schwerpunkt auf dem Ricoh Stand: Theta S

Waren auf der letzten Kina noch die Action-Cams bei Ricoh noch hoch im Kurs, spielten sie diesmal nur in der zweiten Reihe, was mich ein wenig verwundert hat. Was den Messeauftritt insgesamt betrifft, könnte ich meine Eindrücke aus dem Bericht von vor zwei Jahren recyclen. Mich wundert, dass Ricoh die ansonsten so viel beworbenen Outdoor-Fähigkeiten ihrer (DSLR) Kameras nicht intensiver herausstellt. Im Vergleich zu den Mitbewerbern war der Ricoh Stand wieder der kleinste und in meinen Augen wenig spektakulärste. Oder positiv ausgedrückt: man bleibt sich treu :-)

Für den Vormittag hatte ich noch ein paar konkrete Anlaufziele im Vorfeld herausgesucht, so den koreanischen Objektiv-Hersteller Samyang. Ich hatte vorher noch nie real eine Samyang Linse in der Hand gehabt, geschweige denn getestet, und so war ich sehr positiv überrascht über das haptische Erlebnis. Zwar gab es nur wenige K-Mount Linsen zum Ausprobieren, aber die 85mm und 135mm Festbrennweiten durften meine K-01 (man beachte die 0) und mich nachhaltig beeindrucken. Die Marke behalte ich im Auge, falls ich doch noch auf die K-1 (ohne 0) umschwenken werde (wird vermutlich irgendwann passieren, das wird aber ein anderer Blog Post).

Die obligatorischen Besuche bei den Großen der Branche wie Canon, Nikon (Wow, kann AF schnell sein!), Sony und auch Olympus oder Fujifilm gingen diesmal relativ flott. Die Stände waren ziemlich vergleichbar mit den Aufbauten von vor zwei Jahren. Bei Nikon hat mich die AF-Geschwindigkeit des neuen APS-C-Flaggschiffs D-500 genauso beeindruckt, wie mich die Bedienung anfangs verwirrt hat. Aber einen eigenen Joystick zur AF-Punkt Auswahl will ich jetzt auch bei Pentax haben, schon cool. 

Trend-Thema: Fotografieren mit Drohnen (hier DJI Phantom 4)
Workshop am Stand von Profoto
Model in Action bei Fujifilm

In Sachen Unterhaltung und Präsentation haben sich in meinen Augen erneut Sony und Fujifilm positiv absetzen können, nicht nur wegen der engagiertesten Fotomodelle. Insgesamt war ich aber doch ein wenig überrascht von der Ausgestaltung der Messe insgesamt. Im Vorfeld hatte ich gelesen, dass vom Veranstalter bei der Photokina neue Schwerpunkte gesetzt werden sollten, mehr "Event" und Erleben statt nüchterne Technik-Schau. In der Tat gab es einiges an Vorträgen und Ausstellungen, aber ich konnte jetzt keinen Unterschied zur vorherigen Messe feststellen. Allerdings sind einige Aktionen (wie bspw. die Actions Halle) erst ab Samstag geplant.

Um den Tag richtig ausklingen zu lassen, besuchte ich am Nachmittag noch den sehr amüsanten Vortrag Balancing Familiy and Photography While Traveling des US Fotografen David Hobby am Stand von Fujifilm. Im Grunde ein Plädoyer für das Motto "Weniger ist Mehr". Und das wäre auch meine Empfehlung für den Besuch der Photokina. Nicht zu viel Vornehmen, vielleicht einige wenige Ziele im Vorfeld herauspicken, dann den Tag genießen und ja nicht versuchen, alles sehen zu wollen.

Ganz hat Sony den Spiegel doch noch nicht verworfen
Amüsanter Abschluss mit David Hobby

Donnerstag, 15. September 2016

Freud und ein wenig Leid

Heute hatten wir wieder Besuch von UPS. Ich hatte mein DA 15mm Limited zur Justierung bzw. Reparatur nach Hamburg zu Foto Maerz (also zum PENTAX Service) eingeschickt, weil es auf der rechten Seite nie so richtig scharf zeichnen wollte, während die linke Seite abgeblendet durchaus OK war. Klarer Fall von Dezentrierung. Und was drückt mir der Zusteller eben in die Hand? Zwei Pakete, eines mit dem erhofft reparierten DA 15, aber noch ein weiteres Paket mit einem Testexemplar der neuen PENTAX K-70 von Ricoh.

Freud un Leid zusammen auf der Parkbank: PENTAX K-70 mit DA 15mm Limited

Die K-70 darf im Herbst nach Vorarlberg und mir zeigen, was sie kann. Heute konnte sie das leider noch nicht, denn ich hatte gleich zum Testen das DA15 angeflanscht. Und leider musste ich feststellen, dass eventuell die Dezentrierung repariert wurde, ich das aber nicht so recht feststellen kann, weil das Objektiv jetzt nur noch bis ca. 2 Meter Entfernung fokussiert und dann bereits auf Anschlag ist. Adé Unendlichkeit! Ich versuche es gerade mit Humor, bin aber doch ziemlich angesäuert.

Montag, 12. September 2016

Auflösung ausreizen mit Pixel Shift Resolution und der PENTAX K-1

Château de Boulogne in der Morgendämmerung. Die niedrige Bildgröße für die Web-Darstellung offenbart noch nicht, welches Potential für mehr Details in der Aufnahme mit Pixel Shift Resolution steckt 
Unter der virtuellen Lupe (4:1) wird es deutlich: die Pixel Shift Aufnahme (links) liefert
sichtbar mehr Zeichnung und Schärfe 

Mit der Pixel Shift Resolution machte ich erstmals im letzten Jahr beim Testen der PENTAX K-3 II Bekanntschaft. Schon damals war ich recht beeindruckt, wie sich das Auflösungsvermögen verbessern kann bzw. ein Mehr an Details möglich ist, wenn die Rahmenbedingungen für Pixel Shift stimmen. Um so mehr war ich gespannt, wie sich dieses Feature auf die 36 Megapixel der neuen PENTAX K-1 positiv auswirken kann.

Der Artikel wird ein wenig länger als sonst, daher erst einmal ein kleiner Überblick, was erwartet werden darf. Um das Prinzip der Pixel Shift Technologie und auch deren Grenzen zu verstehen, möchte ich zunächst ein paar Grundlagen und das Funktionsprinzip zusammenfassen - zumindest so, wie ich als Laie glaube, die Technik verstanden zu haben. Das Grundverständnis ist wichtig, um die Einschränkungen von Pixel Shift zu akzeptieren und die Erwartungshaltung realistisch zu halten. Danach kommen einige Bildbeispiele um zu zeigen, was alles geht. Und was weniger gut geht. Dazu folgen ein paar Hinweise zur manuellen Retusche bevor das unvermeidliche persönliche Fazit den Text abschließt.

Rot-Grün-Blau ist alle Theorie


In PENTAX Kameras (und denen der meisten anderen Hersteller) kommen Bildsensoren zum Einsatz, die nach dem Bayer-Muster aufgebaut sind. Ein konventioneller Fotosensor kann vom Prinzip her pro Pixel bzw. Photodiode nur die Helligkeit von Licht messen. Um Farbinformationen zu erhalten, werden jedem Pixel ein Farbfilter vorgeschaltet, nämlich Rot, Grün oder Blau. Pro Pixel wird also exklusiv die Helligkeit einer Farbe gemessen. Wechseln sich nun diese RGB Farbpunkte regional ab, so kann durch den Mix benachbarter Pixel die gesamte Farbinformation eines Bildpunkts durch Interpolation abgeleitet werden. Bei Sensoren in Bayer-Matrix wechseln sich Zeilen von Rot-Grün sowie Grün-Blau Pixeln ab, so dass auf einem 2 x 2 Quadrat immer ein Blau-, ein Rot und zwei Grün-empfindliche Pixel zusammenfallen. In Konkurrenz dazu stehen bspw. Fujifilms X-Trans Sensoren. welche ihr RGB Pixelmuster auf einer 6 x 6 Pixel Fläche verteilen.

Die Ricoh Ingenieure haben sich nun den Aufbau des Fotosensors und der beweglichen Sensoraufhängung zu Nutze gemacht, um die RGB Farbinformationen nicht allein über Interpolation benachbarter Pixel abzuleiten, sondern direkt an einem Ort auszulesen. Die Kamera nimmt bei aktivierter Pixel Shift Resolution Funktion vier Bilder am Stück auf und verschiebt dabei pro Aufnahme den Sensor in der Kamera um je einen Pixel im Quadrat. Somit kann pro Bildpunkt ein roter, ein blauer und zwei grüne Pixel direkt ausgelesen werden. Die absolute Bildgröße der Aufnahme bleibt also gleich, aber die gewonnene Farbinformation pro Punkt wird genauer, das Bildergebnis insgesamt präziser, kurzum die Auflösung steigt. Wer eine ausführlichere Beschreibung zur Funktionsweise sucht, den empfehle ich den Artikel Exploring the K-3 II's "Pixel Shift Resolution" mode im Online-Magazin Imaging Resource. Auch finde ich die Beschreibung und insbesondere die Bebilderung der getrennten Aufnahmen für die RGB Farbinformationen auf den Ricoh Produktseiten sehr erhellend.

Ohne geht’s nicht: Pixels Shift Resolution erfordert eine
stabile Auflage, am Besten ein robustes Stativ
Pixel Shift ist zunächst aktivierbar über die Tasten INFO oder MENU (dort im 3. Kamera Reiter), ich habe mir die Funktion aber direkt auf die FX1 Taste gelegt. Nach Betätigung des Auslösers dauert die Belichtung erheblich länger als die vierfache Verschlusszeit, die man vielleicht anfangs erwarten würde. Selbst bei einer kurzen Zeit wie 1/250s dauert es gefühlt ein bis zwei Sekunden bis Verschluss und Blende wieder hörbar geschlossen werden. Vermutlich benötigt die Kamera eine gewisse Rüstzeit zum pixel-genauen "Shiften". Die normale Bildstabilisierung (SR) steht in dieser Zeit nicht zur Verfügung, beides gleichzeitig kann wohl nicht gehen. Selbstverständlich wird nicht wie bei einer normalen Serien-Aufnahme oder Belichtungsreihe zwischen den vier Aufnahmen der mechanische Verschluss geöffnet und verschlossen, um Vibrationen bzw. Erschütterungen zu vermeiden. Nach der Belichtung wird ein wenig gerechnet und gespeichert, was über die orangefarbene LED hinten auch angezeigt wird. In dieser Zeit ist die Kamera zwar noch bedienbar, es kann aber nicht erneut ausgelöst werden. Bei einem Pixel Shift DNG mit ca. 160 bis 220 MB Dateigröße vergehen schon einige zusätzliche Sekunden für die Sicherung auf die SD Karte, bis die nächste Aufnahme in Angriff genommen werden kann.

So weit, so gut. Damit die Umsetzung in der Praxis gelingt, sind einige Rahmenbedingungen zu beachten, die sich aus der Pixel Shift Funktionsweise zwingend ableiten. Da mehrere Aufnahmen zeitlich versetzt entstehen, dürfen offensichtlich keinerlei Bewegungen auftreten - weder bei der Kamera noch im abgelichteten Motiv. Es liegt auf der Hand, dass bei einer viermaligen, pixel-genauen Verschiebung des Sensors zur Messung eines Bildpunktes keinerlei Erschütterungen der Kamera stören dürfen. Damit wird der Einsatz eines stabilen Stativs oder sonstige Ablage zur Pflicht.

Bildbeispiele


Grau ist alle Theorie, jetzt lasse ich mal Bilder sprechen. Alle Fotos wurden mit der K-1 im DNG Rohdatenformat aufgenommen, wobei dann alle vier Einzelaufnahmen der Pixel Shift Aufnahme zusammen in der Raw-Datei gespeichert werden. Mit Hilfe der Software Digital Camera Utility (DCU), welche von Ricoh mit der Kamera ausgeliefert wird,  kann das Bild als Pixel Shift Variante mit und ohne Bewegungskorrektur, sowie auch ganz ohne Pixel Shift Verrechnung exportiert werden. Zu Nachbearbeitung in anderen Bildprogrammen bietet sich dabei TIFF-16bit als Dateiformat an.

Erfreulicherweise geht der Export auch in der Stapelverarbeitung für mehrere Bilder auf einmal. Zu mehr mochte ich DCU auch nicht verwenden, es ist einfach zu schwerfällig (zumindest für meinen zwei Jahre alten i7 PC), und die Bedienoberfläche wirkt wenig einladend. Die exportierten TIFFs mit und ohne Pixel Shift wurden in Lightroom importiert und in der Vergleichsansicht in 4:1 (also als 400% Crop) gegenübergestellt, um die Unterschiede plakativ darstellen zu können. Zusätzlich habe ich für einige Crops die Bilder in Schwarz-Weiß gewandelt und die Klarheit in Lightroom auf den maximalen Wert geregelt, um die Unterschiede noch besser abgrenzen zu können.

Ein kurzes DCU How-To für den Export von mehreren Pixel Shift Aufnahmen:
Zunächst werden die Fotos im Modul "Browser" markiert. Dann erfolgt der Wechsel in das Modul "Laboratory". Hier sind die Dateien erneut zu selektieren. Über das Icon "Pixel Shift Resolution" in der Werkzeugleiste kann die gewünschte Option "Aus", "Ein (Bewegungskorrektur aus)" oder "Ein (Bewegungskorrektur ein)" gewählt werden. Über "Datei > Mehrere Dateien verarbeiten" wird dann ein Dialog geöffnet, in dem das Zielverzeichnis, die "Regel für Namen der gespeicherten Datei" sowie das Bildformat (TIFF-16bit) festgelegt wird. "Speichern" startet den Export im Hintergrund. Anschließend können die Dateien direkt mit einer neuen Pixel Shift Option gespeichert werden (wobei dann die Regel für die Dateinamen bspw. im Suffix angepasst werden sollte). 

Das erste Beispiel zeigt zwei Fotos von Le Bosquet, einem alten, charmanten Landgut aus dem 18. Jahrhundert in Südfrankreich. An dem Tag war es fast windstill und die Kamera fest auf einem Stativ verankert. Zusätzlich hatte ich das Glück, dass die Katze im Eingangstor während des Auslösens in Schockstarre verharrte. Insbesondere feine Strukturen im Bild wie das Fell der Katze, das Mauerwerk, Gräser oder aber auch das Netz des Basketballkorbs konnten in der Pixel Shift Aufnahme von mehr Zeichnung und Details profitieren.











Das nächste Beispiel zeigt eine klassische Landschaftsaufnahme im Massiv der Monts Dore (Les Roches Tuilière et Sanadoire - ohne die GPS Funktion der K-1 hätte ich wohl nicht mehr den genauen Ort nachträglich bestimmen können). Hier lag die Kamera auf einer Mauer und wurde mit 2-Sekunden Selbstauslöser und Pixel Shift ausgelöst.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme wehte eine sehr leichte Brise. Der Wind konnte die Aufnahme aber nicht stören, da die abgebildeten Wälder in sehr weiter Entfernung lagen und somit etwaige Bewegungen von Blättern oder Ästen sich nicht auswirken konnten. Das Foto wirkt auf mich insbesondere als Panorama, so dass ich das Ausgangsbild sehr stark beschnitten und damit bewusst auf viele Megapixel "verzichtet" habe. Hier verschafft Pixel Shift eine Reserve, so dass die verbliebenen Megapixel ein Optimum an Details liefern können.






Eine weitere vorteilhafte Situation für Pixel Shift sind Architekturaufnahmen, da Gebäude in der Regel still stehen bleiben. Das Motiv zeigt adrette Dächer und Häuserfronten von Balazuc, einem 350-Seelen Dorf an der Ardèche. Hier schafft es die Pixel Shift Resolution beispielsweise die Ziffern in der Kirchturmuhr ein wenig deutlicher herauszuarbeiten.






Bewegen verboten


Wie oben angeklungen muss für den Erfolg von Pixel Shift das Bildmotiv mitspielen und sollte schön ruhig halten, da es ansonsten zu Geisterbildern und Bewegungsartefakten in Form von Karo-Mustern bzw. "Reißverschlüssen" (Zipper) kommen kann, wenn die vier Aufnahmen zu einer verrechnet werden. In der Natur halten sich leider bereits Bäume und Sträucher bei leichter Brise nicht immer an diese Vorgabe, ebenso wenig wie Vögel im Flug, fließendes Wasser oder vorbeiziehende Wolken, um prominente Störelemente für Landschaftsaufnahmen aufzuzählen.

Um dennoch Pixel Shift mehr oder weniger sorgenfrei anwenden zu können, bieten Kamera und Bildbearbeitungsprogramme wie DCU oder auch die Open-Source Lösung dcrawps eine automatische Bewegungskorrektur. Lightroom 6 habe ich übrigens genau deswegen (noch) nicht für die Pixel Shift Entwicklung genutzt, weil das Adobe Produkt hier wohl noch einigen Nachholbedarf hat (und mir auch die Zeit zur Evaluierung fehlte). Bei PENTAX heißt der Versuch zur automatischen Korrektur von Bewegungsartefakten Motion Correction (kurz MC). Hier dürfen aber keine Wunder erwartet werden. Wer genau hinschaut, wird zumindest bei Fotos in der Natur immer mal wieder Karos bzw. Zipper in Blattwerk entdecken können, besonders wenn das Grün in naher oder mittlerer Entfernung liegt.

Das folgende Beispiel zeigt die Stadtansicht von Vollore Ville im Naturpark Livradois-Forez in Südfrankreich. Wie gehabt profitieren die statischen Bildelemente von der Pixel Shift Resolution, während im Blätterwald erste störende Karos zu entdecken sind, die die Bewegungskorrektur nicht auffangen konnte. Sie halten sich aber noch stark in Grenzen, insgesamt hat MC hier einen guten Job gemacht.



Bei der folgenden Aufnahme mit fließendem Wasser hat die Korrektur ebenfalls gut funktioniert. In der Vergleichsaufnahme ist links MC aktiviert, während rechts die Pixel Shift Aufnahme ohne Bewegungskorrektur deutliche Karo Artefakte zeigt.




Aus meiner Sicht ist es gerade bei aktivierter Pixel Shift Auflösung sehr wichtig, nicht allein im JPEG Format zu fotografieren, sondern immer (auch) in einem Rohdaten-Format (PEF, DNG). Nur dies ermöglicht eine nachträgliche, manuelle Retusche. Das Raw speichert alle vier Bilder der Pixel Shift Aufnahme in einer einzigen Datei ab, bildet also einer Art Container. Im Notfall kann dann immer auch ein einzelnes Bild ohne Pixel Shift Verrechnung aus dem Raw-Container extrahiert werden, eben als ob es sich um eine konventionelle Einzelaufnahme handelt. Damit steht immer ein Backup zur Verfügung, falls die Pixel Shift Aufnahme aufgrund von Verwacklungen doch insgesamt unbrauchbar geworden ist.

Die nächste Landschaftsaufnahme mit Blick von Château d'Arlempdes hinunter auf die Loire entstand, indem die Kamera auf eine Mauer schräg aufgelegt und mit der Hand scheinbar stabilisiert wurde - allerdings nicht ausreichend genug, wie der erste Vergleich mit und ohne aktivierter Bewegungskorrektur zeigt. Offenbar war die Verwacklung zwischen den vier Bildern der Pixel Shift Aufnahme stark genug, um das Kirchengemäuer deutlich zu erschüttern. Dies wurde aber dennoch nicht von der Bewegungskorrektur erkannt. Der zweite Vergleich mit einer extrahierten Einzelaufnahme zeigt jedoch, dass die Verschlusszeit von 1/50s  allein ausreichend kurz für ein scharfes Foto war.




Zur Verdeutlichung des Ausmaßes der Störung im Gesamtbild möchte ich einen kurzen Exkurs einlegen und auf das Open-Source Kommandozeilen-Werkzeug dcrawps (Download für Windows) als alternatives Werkzeug zum Entwickeln von Pixel Shift Aufnahmen eingehen. Das Programm kann als zusätzliche Option kritische Bereiche lilafarben markieren. Dazu nutzt es den Umstand, dass für den Grün-Anteil eines Pixel zwei Messungen bei der Pixel Shift Aufnahme durchgeführt wurden. Bei perfekt statischen Bedingungen müssten die Helligkeitswerte der paarweisen Pixel bezüglich des Grün-Anteils gleich sein. Weichen die Werte ab, muss eine Veränderung vorliegen. Wie hoch die Abweichung sein muss, um als unerwünschte Bewegung interpretiert zu werden, ist als Schwellwert in dcrawps einstellbar. Das ist ein Vorteil gegenüber DCU oder der Kamera selbst, wo keine Anpassung der Empfindlichkeit für die Bewegungskorrektur möglich ist. Der Nachteil des Verfahrens: er bezieht sich ausschließlich auf einen Farbkanal.

Wie dcrawps funktioniert, habe ich übrigens erst in diesem erhellenden Post auf Pentaxforums.com gefunden. Im Beispiel von Château d'Arlempdes spricht die lila Einfärbung klar dafür, die verunglückte Pixel Shift Aufnahme fallen zu lassen und sich mit einer Einzelaufnahme zu begnügen. Glücklich, wer in so einer Situation im Raw Format fotografiert, um zumindest noch eine normale Aufnahme retten zu können (oder neben Pixel Shift zur Sicherheit eine normale Aufnahme gemacht hat).




Vereinzelt habe ich an der ein oder anderern Stelle im Netz und auch Fachzeitschriften gelesen, dass Pixel Shift Aufnahmen aus der Hand gelingen können. Für meine Hand kann ich eindeutig feststellen: nicht möglich. Mir fehlt auch die Fantasie zu glauben, wie es klappen soll, eine Kamera über mehr als eine Sekunde lang pixel-genau ohne SR Unterstützung still halten zu können. Was mir aber bei meinen Freihand-Versuchen gelang, war insgesamt so stark zu verwackeln, dass die Bewegungskorrektur fast jeden Bereich als gestört erkannt und entsprechend alles korrigiert hat, so dass am Ende von den vier internen Aufnamen im Grunde nur noch eins in das Bildergebnis wirksam einging. Faktisch gibt es dann keinen Unterschied zu einer Einzelaufnahme ohne Pixel Shift.

Folgendes Foto der Église Saint-Loup im kleinen französischen Dorf Mercuer dokumentiert so einen "Erfolg". Verdächtig ist bereits die Gegenüberstellung der Pixel Shift Aufnahme mit Bewegungskorrektur und ohne Pixel Shift, die gleich scharf aussehen. Die Entwicklung ohne Bewegungskorrektur bzw. die Analyse mit dcrawps offenbart dann, dass eine Einzelaufnahme zwar beeindruckend scharf, die Pixel Shift Aufnahme aus der Hand aber hoffnungslos verwackelt war.





Retuschieren erlaubt


Wenn nun trotz automatischer Korrektur störende Bewegungsartefakte in einer Aufnahme vorhanden, aber überschaubar und wenig verteilt sind (z.B. Wasser), lohnt sich eventuell eine manuelle Retusche. Diese muss gar nicht mal so kompliziert sein. Ausgangspunkt ist erneut die Raw-Datei, aus der zuerst (bspw. mit DCU wie oben beschrieben) neben der Pixel Shift Variante auch ein Bild ohne Pixel Shift Verrechnung extrahiert wird. In einem beliebigen Grafikprogramm mit Ebenen können dann die kritischen Bereiche in der Pixel Shift Aufnahme als obere Ebene gezielt retuschiert werden, in dem sie einfach transparent radiert werden, so dass die Aufnahme ohne Pixel Shift in der unteren Ebene durchscheint.

Das folgende Foto vom Rozenhoedkaai in der belgischen Stadt Brügge wurde so in kürzester Zeit retuschiert, indem einfach die gesamte, von der Bewegungskorrektur weichgespülte Wasserfläche mit  der der normalen Einzelaufnahme ohne Pixel Shift ersetzt wurde. Das fertige Bild habe ich dann wieder als TIFF exportiert und in Lightroom endgültig bearbeitet. Zunächst aber einmal wieder der Vergleich Mit-Pixel-Shift versus Ohne-Pixel-Shift, um zu zeigen, dass sich die Retusche für dieses Bild auch gelohnt hat, da die nicht beweglichen Bildteile erneut deutlich mehr Details zeigen. Dagegen sind Wasseroberfläche und insbesondere der Schwan durch die Pixel Shift Bewegungskorrektur verschlimmbessert worden.







Anhand der freien und sehr populären Bildverarbeitung GIMP möchte ich kurz die manuelle Retusche skizzieren. Die ist als Anregung zu verstehen, es einmal selbst zu probieren und zu erfahren, wie einfach und effizient ein solches Bild gerettet werden kann. Über "File > Open as Layers ..." werden die aus DCU exportierten TIFFs für Pixel Shift mit MC sowie ohne Pixel Shift als Ebenen in ein neues Bild geladen. Im oberen Layer mit dem Pixel Shift Foto wird der Alpha-Kanal aktiviert ("Add Alpha Channel"). Nun können über den Radierer kritische Bereiche ausradiert werden, so dass das Bild ohne Pixel Shift aus dem unteren Layer als Korrektur durchscheint. Im GIMP Screenshot unten wurde zunächst der Kopf des Schwan sowie zur Verdeutlichung eine senkrechte Linie im Wasser korrigiert. In der endgültigen Bearbeitung habe ich einfach großzügig die gesamte Wasserfläche im Pixel Shift Bild weggepinselt und mit der intakten Struktur des Wassers der Ohne-Pixel-Shift-Aufnahme ersetzt.  



Keine Angst vor Bildrauschen


Pixel Shift hat noch einen angenehmen Nebeneffekt. Das Bildrauschen wird bei Aufnahmen mit hohen ISO Werten gemildert und der Kontrastumfang steigt gegenüber einer herkömmlichen High-ISO Aufnahme. Das ist nicht so überraschend, da auch andere Kamera-Hersteller Mehrfachbelichtungen nutzen, um das Bildrauschen als zufällige Pixel-Streuung in einem gewissen Grad herausrechnen zu können. Sony nennt dies bspw. Multi Frame Noise Reduction und Canon Mulit-Shot Noise Reduction. Dieses Prinzip kann auch manuell in der Bildbearbeitung angewandt werden, in dem die verschiedenen Belichtungen als einzelne Ebenen importiert und in unterschiedlichen Transparenz-Einstellungen überblendet werden (Image Averaging). Für Pixel Shift ist der Effekt der Rauschreduzierung quasi eine positive Begleiterscheinung.

Für mich persönlich hat sich allerdings noch keine Anwendungsfall in der Praxis erschlossen, da ich bei Pixel Shift statische, bewegungslose Motive fotografieren muss, die in der Regel dann auch längere Belichtungszeiten bei geringeren ISO Werten vertragen können.



Mein Fazit


Aus technischer Sicht finde ich die Pixel Shift Resolution faszinierend. Sie zeigt den Erfindungsreichtum der Ricoh Ingenieure, neben der klassischen Bildstabilisation immer wieder neue Funktionen (Horizont-Korrektur, Astro-Tracer, Anti-Aliasing-Filter) aus der beweglichen Sensor-Einheit ableiten zu können. Sofern die Rahmenbedingungen der Unbeweglichkeit von Motiv und Kamera stimmen, sind die Ergebnisse unter der virtuellen Lupe für die Pixel-Peeper unter uns sehr beeindruckend. Wer den Sinn von Pixel Shift in Frage stellt, weil dieser sich sicher in Grenzbereichen abspielt, kann auch den Sinn von 36 Megapixel in Frage stellen. Klar, für die Full-HD oder 4K Darstellung auf einem TV oder Monitor oder einem einfachen Abzug auf 13x18 Papier oder in einem Fotobuch benötigt man keine so hohe Bildgröße - und dann bringt auch eine Verbesserung der Auflösung durch Pixel Shift nichts, wenn eh für das Ausgabemedium drastisch herunter skaliert wird. Wenn man ehrlich ist, reichen dann bereits weniger als 10 Megapixel. Die Frage ist aus meiner Sicht wie immer der Anwendungsfall. Man erhält eben zusätzliche Spielräume, egal ob durch steigende Bilgröße im Allgemeinen oder durch Steigerung der Auflösung durch Pixel Shift Resolution im Besonderen.

Was ich persönlich an der K-1 zu schätzen gelernt habe, ist die Möglichkeit den Bildausschnitt später am Rechner zu bestimmen und das Bild deutlich zu beschneiden. So, als ob ich mit einer Kamera mit einem höheren Crop-Faktor fotografiere. Das muss nichts mit mangelnder Sorgfalt bei der Bildkomposition zu tun haben, ganz im Gegenteil, so etwas kann bereits bei der Aufnahme bewusst entschieden werden. Das Fotografieren im 1,5er Crop Modus der K-1 ist ein konkretes Beispiel, oder die Kompensation einer fehlenden Tele-Brennweite. Dann helfen sowohl 36 Megapixel Auflösung als auch Pixel Shift zur Steigerung der verbliebenen Auflösung.

Pixel Shift ist eine Option für Perfektionisten, die unter statischen Bedingungen ein optimales Bildergebnis haben wollen, soweit es die vorgeschaltete Optik erlaubt. Pixel Shift erweitert die fotografischen Möglichkeiten. Aber die Bedingungen müssen stimmen. Eine sorgenfreie Anwendung an der freien Luft ist sicherlich nicht gegeben, aber Sorgfalt und manuelle Nachbereitung kann das Bildergebnis im Vergleich zur Aufnahme ohne Pixel Shift aufwerten. Ob sich der zeitliche Mehraufwand bei der Aufnahme und in der Nachbearbeitung am Rechner lohnt, ist in erster Linie vom geplanten Verwendungszweck der Bilder abhängig - und von der Freude an einem technisch möglichst perfekten Foto. Ein typisches Anwendungsfeld ist sicherlich die Produktfotografie, einen interessanten Erfahrungsbericht liefert hier der Artikel Pixel Shift in the Studio.

Mein persönliches Fazit? Ich verbuche die Pixel Shift Funktion als Gewinn, die mich technisch fasziniert und zum Charakter der K-1 als stilles, präzises Werkzeug für höchste Bildqualität passt. Pixel Shift ist keine Vollautomatik für bessere Bilder, sondern sie Bedarf der Auswahl der richtigen Aufnahmesituation, sorgfältiger Ausführung und Geduld. Dann belohnt sie mit besserer Detailauflösung und leichtem Aha-Effekt, wohl wissend dass dieser Vorteil auch nur dann sichtbar wird, wenn das Ausgabemedium diese Auflösung erfordert.